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Wismar · Baumhaus · 2001
 
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 Thomas Beyer 
 

Photo © Hanjo Volster

Thomas Beyer, Senator der Hansestadt Wismar

Einfuehrung in die Ausstellung

Portraits auf Holz | Malerei von Manfred W. Juergens
 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

zur Ausstellungseroeffnung "Portraits auf Holz", Malerei von Manfred W. Juergens, darf ich Sie hier im Baumhaus am Alten Hafen herzlich begruessen. Manchmal, meine Damen und Herren, schliessen sich Kreise. Im NDR-Interview sagt Manfred W. Juergens, dass er keineswegs mit seinen Bildern provozieren wolle oder sich etwas anderes dahinter verbergen wuerde, sondern, er haette sich einen Traum erfuellt. In einer schwierigen Lebenssituation sucht er Schutz in einem Pfarrhaus. Und, wie koennte es anders sein, in einem Haus, in dem die Tradition der Bibel lebendig ist, widerfaehrt ihm, wie vielen biblischen Gestalten, ein Traum. Er sei in Wismar und male Huren.

Im morgendlichen Gespraech mit dem Pastor berichtet er von dem, was ihm widerfuhr. Das Wort des Pastors: "wenn ich Maler waere, dann wuerde ich das auch tun", ermunterte ihn, den Traum als Botschaft zu verstehen und ihn in die Realitaet zu heben. Und so geschah es auch

Und heute darf ich nun gewissermassen als verhinderter Pastor diese Ausstellung eroeffnen. Soviel zu den Kreisen, die sich eben manchmal schliessen.

Meine Damen und Herren,

in dieser Woche wurde in den Nachrichten gemeldet, die Bundesregierung haette einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der das "Handwerk" der Huren legalisiere. Das ist ein Schritt, der lange debattiert wurde und sicher Befuerworter wie Kritiker finden wird. Aus meiner Sicht ein ueberfaelliger Schritt. Ich halte es da mit der Kuenstlerin Miro Zahra, die wie viele andere feststellte, ich zitiere: "Kriminell wird Prostitution nur durch die gesellschaftlich getragene Heuchelei."

Aber dies soll ja heute abend nicht Gespraechsgegenstand sein.

Manfred W. Juergens ist sicher kein Sozialkritiker, der mit den Bildern gerade einen solchen Gesetzesentwurf einfordert; aber seine Bilder druecken ganz individuell aehnliches aus, was wohl dieser Gesetzesentwurf will. Naemlich die Wuerde dieser Frauen, bewahren, die zweifelsohne erkennbar ist, denen er hier in der Naehe am Wismarer Hafen begegnete.

Er haette sie auch anders darstellen koennen, so Manfred W. Juergens im NDR-Interview: Verruchter, Lippenstift verschmiert, breitbeinig. Aber nein, er macht Fuerstenportraits aus diesen Bildern, "Wuerdevolle Huren", wie der NDR titelte. Meine Damen und Herren, die Bilder von Manfred W. Juergens kehren mit dieser Ausstellung in die unmittelbare Naehe ihres Ursprungs zurueck. Schaut man aus dem Fenster, sieht man den Arbeitsort der Frauen, die Wismar laengst verlassen haben. lnsofern ist gerade dieser Ort besonders geeignet fuer diese Ausstellung.

Nun aber zurueck zum Baumhaus:

Es ist Anliegen, hier im Baumhaus gerade auch Kuenstlern - meistens aus unserer Region - die Gelegenheit zu geben, ihre Arbeiten zu zeigen, die bisher seltener oder gar nicht ausstellten oder die noch in ihrer kuenstlerischen Entwicklung auf dem Weg und die vor allem ihre ganz eigenen Wege gehen. Auch Letzteres ist bei Manfred W. Juergens zu sehen. Denn sein Realismus, den er in der Naehe der neuen Sachlichkeit waehnt, den man aber durchaus auch in die Naehe des Fotorealismus bringen kann, ist ein Malstil, den man wohl seltener antrifft.

Mich beeindrucken die Bilder von Manfred Jue;rgens, weil sie wirklich Wuerde ausstrahlen. Menschliche Wuerde - dies gilt fuer die Huren, fuer das Liebespaar, fuer den 78-jaehrigen Mann aus Hoppenrade, der sein Dorf in Mecklenburg nie verlieaelig; und fuer Chien Hwa gleichermassen.

Insofern wuensche ich den Besucherinnen und Besuchern dieser Ausstellung, dass sie die Wuerde, die diese Bilder ausstrahlen, mitnehmen koennen.

Vielen Dank.