‣ Ausstellungen | Wismar 2001 – Medien

Bildnis Wenke, 23, Studentin, 1999, Lasur- und Mischtechnik auf Holz, 0,86 x 0,65 m | Ausschnitt © MWJ

‣ Ostseezeitung Rostock

Wismarer Künstler malt gestochen scharfe Portraits16.05.2001

‣ NDR 1 Radio MV

Kulturjournal16.01.2001

‣ NDR 1 Radio MV

Kulturjournal15.05.2001

Ostseezeitung Rostock · Adrian Foitzik · 16.5.2001

Wismarer Künstler malt gestochen scharfe Portraits

Kultur und Medien


Wismar


Ernst, interessiert, manchmal mit einem feinen Lächeln blicken die Portraitierten den Betrachter an. 16 'Portraits auf Holz' (dazu ein Stillleben und eine Landschaft des Wismarer Künstlers Manfred W. Jürgens aus den vergangenen fünf Jahren sind gegenwärtig im Baumhaus zu sehen. Überschäumende Emotion ist ihnen fremd, und die klare und unspektakuläre Gestaltung der Bilder unterstützt den Eindruck von Bedachtsamkeit und freundlicher Zurückhaltung.

Am Bildrand steht der Name des Portraitierten, der meist Bildtitel ist, manchmal Alter oder Geburtsdatum, auf kleinen Tafeln ist der Beruf benannt. Aspekte eines Verfahrens, das Jürgens selbst als 'sachliche Umschreibung von individueller Wahrheit' charakterisiert hat. Die Beschriftung im Bild ist somit mehr als nur eine Verbeugung vor den alten Meistern der Renaissance, deren Einfluss in Jürgens Bildern auch in Bildaufteilung und Farbgebung sichtbar ist.

Die Verehrung für die Renaissance teilt der 1956 in Grevesmühlen geborene Jürgens mit Otto Dix, den er neben Albrecht Dürer als zweiten massgeblichen Einfluss benennt. Doch anders als bei Dix fehlt Jürgens das Schrille, Karikatureske, Hässliche, wirken seine Portraits viel statischer, nüchterner, 'neusachlicher' als die seines Vorbilds - aber niemals kalt. Wie Dix malt Jürgens auf Holz, doch nähert sich der studierte Kommunikationsdesigner seinen Modellen über Fotografien, hierin den Fotorealisten ähnlich.

Mit Ei-Temperafarbe untermalt er den Hintergrund, trägt dann die Öllfarben mit dem Handballen auf. Ergebnis sind gegenständliche, konturenscharfe Bilder, die wie Fotografien wirken. Doch nur auf den ersten Blick. Denn mit Hilfe von Farbkorrespondenzen stellt Jürgens Beziehungen zwischen Porträtiertem und Hintergrund her, sogar zum Rahmen, womit er das Bild aus seiner Fläche heraustreten lässt.

Die Tiefenschärfe, etwa im Portrait von Wenke K., hebt die Perspektive auf, und irritiert den Blick des Betrachters ebenso wie die schon fast surreale Bildkomposition von 'Anke Werther', verbunden mit der klassischen Haltung der Schauspielerin. Im Bildnis 'Albrecht Tübke' berührt eine Hand aus dem Nichts die Schulter des Gemalten, und im 'Selbstportrait' ist die Irritation perfekt. Der Ausschnitt ist nach unten verschoben, der Maler gibt von sich nur seine Hände preis, seine 'Arbeitswerkzeuge'. Man mag das als ironische Selbstbescheidung deuten - von einer Deformation durch den Arbeitsprozess, auf den Jürgens ja immer hinweist, kann jedenfalls keine Rede sein.

Auch wenn er die Porträtierten zum Teil in ihrer Arbeitskleidung (aber nicht bei der Arbeit) zeigt, am deutlichsten im Zyklus 'Huren' (1996/2001), so steht der ganze, nicht der reduzierte Mensch im Vordergrund, wobei der sachliche Blick des Malers vor Indiskretion zurückscheut - lediglich 'Liebespaar' lässt sich auf die Idylle ein.

Ein Widerspruch zwischen Individualität und Beruf ist auch in den Werken nicht zu finden. Mit Marxscher Entfremdung hat Jürgens nichts im Sinn. Vielmehr ist das Tätigsein Teil dessen, was den Menschen ausmacht. Jürgens ist kein politischer Maler, der emphatisch dem tätigen Individuum seine Menschlichkeit wiedergeben muss. Die Würde der 'Huren', die er in einem Wismarer Bordell malte, steht für ihn gar nicht zur Debatte.

Sechs Wismarer Huren wurden von Manfred W. Jürgens in ihrer typischen Arbeitskleidung dargestellt. Bis zum 4. Juni im Baumhaus am Alten Hafen in Wismar, täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Manfred W. Jürgens, Realistische Malerei, Bildende Kunst

NDR 1 Radio MV · Kulturjournal | 16.01.2001

Würdevolle Huren

Der Maler Manfred W. Jürgens

Schloss Clemenswerth, Manfred W. Jürgens, Realistische Kunst, Malerei

NDR 1 Radio MV · Kulturjournal | 15.05.2001

Der Maler Manfred W. Jürgens

Portraits auf Holz