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Wismar, Marktplatz mit Rathaus · Foto © MWJ





Ostseezeitung · Ina Schwarz · 27.2.2002

Huren in Öl eskortierten Empfang

Über 150 Gäste bewiesen Seehafen Wismar GmbH die Treue


Wismar

Jahresempfang der Seehafen Wismar GmbH vor einer Woche in der Gerichtslaube: Es wuselte und schnatterte im klassizistischen Regierungsgebäude der Hansestadt. Es ist wohl so: Wenn der Seehafen feiert, sind die Gäste vollzählig, das Bier garantiert kühl und die Krawatten nicht ganz so fest gebunden. ' . . . so sind Hafenleute nun einmal...', zwinkerte ein gut gelaunter Geschäftsführer in seiner Rede dem Auditorium entgegen.

In schwierigen Zeiten gibt es für Till Niemeyer und sein Team dennoch Grund zu optimistischer Miene: Im vergangenen Jahr wurden im Seehafen 2,9 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr, 1257 Schiffe abgefertigt, 57 mehr als im Vorjahr, 32 000 Waggons abgefertigt, über 10 000 mehr als im Vorjahr. Doch nicht nur Wachstumsraten hat Niemeyer vorzuweisen, auch für das Auge entsteht am Südkai Hochmodernes, das im Jahresbericht unter dem Projekt 'Althafenwiederherstellungsinvestition' gehandelt wird. Ein umständliches Wort für neue Kaimauern und Kaiflächen, die hochwassersicher modernsten Ansprüchen genügen werden. Zitat Till Niemeyer: 'Sie wissen ja, ein Hafen ohne Fläche ist wie ein steifer Grog ohne Rum.'

Und so sprichwortete sich der Hafen-Geschäftsführer durch seine umfangreiche Rede, erntete Lachen, Gemurmel, Sympathie und Beifall. Anspielungen auf das niedrige Kostenniveau der Beitrittsländer und die sich daraus ergebenden Wettbewerbsnachteile und die Überlegungen der Experten zu einem weiteren Hafen in Mecklenburg-Vorpommern, garnierte er zynisch mit einem Zitat aus dem Freischütz von Carl Maria von Weber 'Samuel hilf!!!'

Doch nicht nur Bilanzen, Komplimente, Häppchen und Sektchen wurden auf dem Jahresempfang unter den rund 150 Gästen umgeschlagen. Passend dazu ertönte rauchige Saxophonmusik der Musikschule Wismar.

Und zur Krönung eskortierten sechs sexy Huren die angeregten Talks der Business-Entsandten. Anfassen war natürlich nicht, denn die 'Hafenarbeiterinnen' betrachteten das Geschehen lediglich von mannshohen Ölgemälden herab. Gewagte Kunst in den 'heiligen Hallen' der Kommunalpolitik. Till Niemeyer persönlich hatte die ungewöhnliche Malerei des Wismarer Freundes und Bildschaffenden Manfred W. Jürgens geordert. 'Ich bin sicher, auch so ein kleiner Eulenspiegelstreich des 'Till' des Wismarer Hafens', so der Porträt-Maler während eines Gespräches mit Gästen im Rathaus. Gelungen. Den meisten Gästen gefiel es.

Foto © Ina Schwarz







Huren in Öl eskortierten Empfang

27.2.2002